Fläminger Jagd

Endlich ist dieser elendig lange Winter vorbei! Gefühlt bin ich in diesem Jahr noch keinen Meter Fahrrad gefahren, also mit ganzem Herzen und Spaß und so. Eher getrieben und gequält um Basemiles in die Beine zu bekommen und halbwegs fit für die kommende Audax-Saison zu sein. Schließlich möchte ich nach 2016 endlich ein weiteres Superbrevet fahren. Meine 2017er Saison verlief, wie man so sagt, doch recht suboptimal. Eine Entzündung der Achillessehne Ende Mai hat mich vieles aussitzen lassen. Aber egal, das ist mittlerweile zum Glück überwunden. Schnee von gestern… Devise 2018: Alles auf Anfang. Langstrecke neu kennenlernen.

Ein kleiner Rückschlag war zunächst einmal das Eiszeit 200er Brevet Mitte März. Zwar hatte ich einen Startplatz, aber Schneeregen und „sibirische Kältepeitsche“ am Vortag haben mich zu sehr beeindruckt und ich habe mich unter diesen Bedingungen nicht auf die Strecke getraut und in der Nacht vor dem Start SOS Richtung Ingo und Klaus gefunkt. Mimimi! Kälte ist grundsätzlich kein guter Freund von mir, gepaart mit zugigem Ostwind mutiert das dann zu so einer Art Arch-Enemy. Die Strecke bin eine Woche später trotzdem abgefahren, da war es knapp 10 Grad wärmer. Halb Solo, halb mit drei weiteren Mimimi-Piloten die ich kurz vor „Kotzen“ (dem Ort, nicht der Körperreaktion) aufgelesen habe. Ich bin also nicht der einzige Antiheld, zumindest etwas!

 

 

Nach den ersten Wettervorhersagen für den 21.04. stieg die Vorfreude auf das diesjährige 300er Brevet der Berlin-Brandenburger-Randonneure ins Unermessliche. Endlich wieder Fahrradfahren bei über 20 Grad, mit dem Geruch von Sonnencreme in der Nase, kurzen Hosen und Sonnenbrille:

Ich starte in der ersten Gruppe, der Renngruppe. Mein ungefährer Plan sieht vor, mich möglichst bis Dahme ziehen zu lassen, dann eine Zeit lang alleine unterwegs zu sein und mich von der zweiten Startgruppe einholen zu lassen. Nun, ziehen lassen ist anfangs gar nicht mal notwendig. Ein steter Rückenwind drückt uns regelrecht in Richtung Fläming, Chefstatistiker Rafal berichtet von einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 33,2 km/h bis zur Dahme-Kontrolle. Ich kann nicht sagen, dass mich das großartig wundert. Nur Gerald und Tom, die sich kurz nach Kleinmachnow aus dem Pulk von ungefähr 10-12 Fahrern herauskatapultieren, sind schneller. Innerhalb weniger Sekunden setzen sie sich bei einer Reisegeschwindigkeit von 35 km/h scheinbar mühelos vom Feld ab – als führe Peter Sagan gegen ein Peloton auf Puky-Fahrrädern. Ihr Gesamtschnitt beträgt am Ende des Tages verblüffende 35,6 km/h.

Dank Rückenwind geht Teil 1 meines Plans gut auf. Wir sind in Dahme: freie Kontrolle. Die Gruppe steuert unterschiedliche Stempelziele an und zerfällt. Zusammen mit Rafal und Raouel überzeuge ich die ortsansässige Blumenladenbesitzerin sich unserer Brevet-Karten anzunehmen, das sind für uns grade mal 50 Meter off route. Hinter Dahme biegen wir in einer Sechsergruppe auf den Fläming-Skate ein. Ungefähr hier beginnt auch mein Running Joke dieses Brevets: Bis zur nächsten Kontrolle bleibe ich noch in der Gruppe! Dann fahre ich aber mal sowas von allein! Spoiler-Alert: Kommt nicht dazu. Bis zur Fähre in Coswig setzt sich die Route aus Fläming Skate und Elberadweg zusammen. Ein wunderschönes Ambiente und perfekte Bedingungen für unsere kleine Reise. Habe ich überhaupt ein Auto auf dem Stück zwischen Dahme und der Lutherstadt Wittenberg gesehen?

 

 

Während einer ungeplanten Fährenpause in Coswig schließen nach und nach die Fahrer auf, die in Dahme andere Kontrollstellen gewählt haben. Positiv: Mehr Windschatten auf dem Rückweg nach Berlin, denn schließlich soll der ehemalige Rückenwind uns nun, zumindest laut Wetterbericht, hart im Gesicht stehen. Ganz so schlimm trifft es uns dann aber doch nicht, oder vielleicht ist man durch den stürmischen Sommer 2017 einfach nur wesentlich anstrengendere Windkanten gewohnt. Negativ am Zusammenschluss: Der mittlerweile ganz gute Flow wird aufgebrochen und man ist wieder eine Weile damit beschäftigt, sich an die neue Dynamik zu gewöhnen. So ganz will das nicht funktionieren und in Maltershausen, der unausweichlichem Pflasterstrecke, lasse ich kurzzeitig abreißen. Ich bin kein großer Fan von Pavet und als meine Mitstreiter mit Messern zwischen den Zähnen über das kilometerlange Rüttelbrett holpern, winke ich durch und rumple gemächlich vor mich hin: Grannystyle!

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Alone at last. Oder auch nicht ganz: Einen Großteil der Pavetsprinter regenerieren im Rasthof in Tiefenbrunnen, nur wenige Kilometer hinter Maltershausen. Ramin flötet und winkt und ich lege ebenfalls Rast ein. Pommes, Zuckerlimonade: Speicher auftanken für das letzte Viertel der Strecke. Meine innere Roadmap hat diese Pause zwar erst beim vorletzten Stempel in Dobrikow vorgesehen, but potato potahto. Natürlich sind einige ohne Pause weitergefahren und das tut der Gruppe spürbar gut. Wieder zu Sechst fährt es sich nun sehr entspannt zurück nach Hause. Wir erreichen das Amstel House zwischen 19:15 Uhr und 19:30 Uhr, ganz genau habe ich nicht auf die Uhr gesehen.

Rückblickend war ich im Grunde viel zu schnell unterwegs. Zumindest wenn man das 300er als Vorbereitung für die kommenden Aufgaben sieht. Auf der anderen Seite hat es einfach irrsinnigen Spaß gemacht, so rasant durch den Fläming zu reiten. Immerhin hat das 2016 bereits ganz gut funktioniert, da kam ich schon um 18:45 Uhr von der Fäming-Runde zurück und der Rest der Saison verlief überaus erfreulich. (SR-Serie + Hansebrevet)

So that’s good.

STRAVA: ARA Berlin-Brandenburg: 300km Brevet

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4 Kommentare zu „Fläminger Jagd

  1. Toller Bericht! War wirklich eine schöne Gruppe. Hat viel Spaß gemacht.
    Ich wollte auch die ganze Zeit aussteigen, da es „wirklich“ zu schnell war!
    (HKL-Trikot)

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  2. Hey Ramin,

    schön Dich hier elektronisch wiederzufinden! Es hat Spaß gemacht mit Dir zu fahren und ein klein wenig mit Dir zu plaudern. Ich erinnere mich noch gut an Deinen konstanten Tritt – über einen solch sicheren Fahrer kann sich jede Gruppe glücklich schätzen!

    Besten Dank für die guten Wünsche, die kann ich Dir nur zurückgeben. Bei Dir werden ja mit Sicherheit auch in Kürze noch einige Events anstehen, denke ich?! Ich werde das bei Strava mal im Auge behalten. ; )

    Kette rechts,

    Uli

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  3. Hi Ulrich.

    Bin schon letzte Saison über deinen Blog gestolpert. Gefällt mir sehr gut.

    So wie du den 300er Brevet beschreibst, genauso habe ich ihn auch erlebt.

    Ich wünsche dir für den Rest der Saison und vorallem für den Superbrevet starke Beine.

    Leute rechts
    Ramin

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