Exit Wittenberge

Das erste Mal ein Brevet abzubrechen ist keine schöne Erfahrung. Dabei waren die Rahmenbedingungen des Berliner 400ers schon recht ordentlich, zumindest im Vergleich mit den letzten Wochen. Das Thermometer zeigt bei der Abfahrt 10,3°C und steigt zwischenzeitlich bis auf 16°C an, ich lasse mich in einer großen Gruppe von etwa 15 Randonneuren um Dietmar, Peter, Andy und Ralf mit beinahe 30 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit auf den ersten 140 km durch das Brandenburger Land treiben. Allerdings ringe ich seit der Berliner Stadtgrenze mit mir: Umkehren? Bis zum nächsten Bahnhof fahren? Noch ein Stück weiter? Was genau mit mir los ist, weiß ich nicht. Ich scheine irgendetwas auszubrüten, in den letzten Nächten habe ich viel geschwitzt und unruhig geschlafen – das rächt sich heute. In Schüben ist mir heiß und wieder kalt, ich schwitze zu viel und mein Kopf ist nie ganz bei der Sache. Auch will der Fahrspaß heute einfach nicht aufkommen… Ich schleppe mich trotzdem weiter, vielleicht will ja nur das erste Tief überwunden werden und dann rollt es wie von ganz allein? Nach 150 km ist noch immer nichts überwunden, der Bahnhof in Wittenberge die letzte sinnvolle Möglichkeit des Ausstiegs und so ist die Entscheidung gefallen.

Wahrscheinlich hätte ich mich schon noch irgendwie von Kontrolle zu Kontrolle hangeln können. Ich möchte mir aber gar nicht vorstellen, wie es mir dann im Ziel gegangen wäre. Und Spaß hätte ich wahrscheinlich heute auch keinen mehr gehabt. Deshalb: Der Ausstieg nagt zwar noch das gesamte Wochenende an mir, aber ich kann mir diese Entscheidung verzeihen. Manchmal hat man schlicht einen schlechten Tag. Außerdem wird es in diesem Jahr noch viele Langstrecken geben, vielleicht wiederhole ich die 400er Strecke an einem anderen Standort, von wegen „offener Rechnung“ und so. Oder ich fahre DIY…

Zumindest ein paar Bilder vom ersten Drittel der Strecke habe ich mitbringen können. Ich hoffe, dass zumindest der Rest der Gruppe heile angekommen ist:

STRAVA: https://www.strava.com/activities/975808079

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2 Kommentare zu „Exit Wittenberge

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  1. Hallo Uli, Du hast es genau richtig gemacht! Du hast auf Deinen Körper gehört und eine wichtige Entscheidung getroffen. Wenn Du etwas ausbrütest, vielleicht einen Virus mit Dir herumträgst, können die Folgen bei hoher körperlicher Belastung sehr übel sein. Also ist die Heimfahrt per Bahn dann zwar erst einmal schmerzlich – weil die Kollegen irgendwann im Ziel ihr Bier trinken und den Erfolg genießen, Du hast aber mit dem Abbruch gezeigt, dass Du ein wirklicher Randonneur bist. Einer mit Herz und Hirn!

    All the best und bis zum 600er dann. Frisch und fit.

    Dietmar

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Dietmar, habe vielen lieben Dank für Deine aufmunternden Worte! Das tut dem geknickten Randonneurs-Stolz wirklich gut. : ) Stirn- und Nasennebenhöhlen sitzen mittlerweile übrigens tatsächlich zu… Nun denn, abhaken! Die nächsten Fahrten kommen schon bald.

      Wir werden uns dann, ganz genau, beim 600er wiedersehen. Hoffentlich in Topform, und mit ein bisschen Glück bei sommerlichen Temperaturen. Wäre das schön!

      Nun freue ich mich aber erst einmal auf Deinen Bericht, bin gespannt wie die Fahrt bei Dir weiter verlaufen ist.

      Beste Grüße

      Uli

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